Unbenannt65

2. Proœmium Evangelii.
(Jo. 1, 1-18.)

1. In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum. 2. Hoc erat in principio apud Deum. 3. Omnia per ipsum facta sunt, et sine ipso factum est nihil, quod factum est. 4. In ipso vita erat, et vita erat lux hominum, 5. et lux in tenebris lucet, et tenebræ eam non comprehenderunt.

6. Fuit homo missus a Deo, cui nomen erat Joannes. 7. Hic venit in testimonium, ut testimonium perhiberet de lumine, ut omnes crederent per illum. 8. Non erat ille lux, sed ut testimonium perhiberet de lumine.

9. Erat lux vera, quæ illuminat omnem hominem venientem in hunc mundum. 10. In mundo erat, et mundus per ipsum factus est, et mundus eum non cognovit. 11. In propria venit, et sui eum non receperunt. 12. Quotquot autem receperunt eum, dedit eis potestatem filios Dei fieri, his, qui credunt in nomine ejus, 13. qui non ex sanguinibus, neque es voluntate carnis, neque ex voluntate viri, sed ex Deo nati sunt. 14. Et Verbum caro factum est, et habitavit in nobis, et vidimus gloriam ejus, gloriam quasi unigeniti a Patre, plenum gratiæ et veritatis.

15. Joannes testimonium perhibet de ipso, et clamat dicens : Hic erat, quem dixi : Qui post me venturus est, ante me factus est, quia prior me erat. 16. Et de plenitudine ejus nos omnes accepimus, et gratiam pro gratia ; 17. quia lex per Moysen data est, gratia et veritas per Jesum Christum facta est. 18. Deum nemo vidit umquam; unigenitus Filius, qui est in sinu Patris, ipse enarravit.

2. Die Vorrede des Evangelisten Johannes.1
(Johannes 1, 1-18.)

Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfange bei Gott.2 Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist nichts geworden, was geworden ist. In ihm was das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Es trat ein Mann auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugnis von dem Lichte gäbe, auf daß alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugnis geben von dem Lichte.

Es war das wahre Licht,3 das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüte und nicht aus Fleisches-Willen und nicht aus eines Mannes Willen, sonden aus Gott geboren sind.4 Und das Wort ist Fleisch geworden5 und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Johannes gibt Zeugnis von ihm und spricht: “Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist mir voraus;6 denn er war eher als ich.” Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ward durch Moses gegeben, die Gnade aber und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist, er hat es kundgemacht.7/8

1 Der Evangelist bezeugt die Gottheit “des Wortes”, seine Bedeutung als Licht und Leben für die Menschheit und seine Menschwerdung. [L4]

2 Der Sohn Gottes wird “das Wort” genannt, weil er von Ewigkeit her aus der Selbsterkenntnis des ewigen Vaters hervorgeht als der volle Ausdruck der göttlichen Wesenheit, als Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott in ähnlicher Weise, wie unser Wort, unser Gedanke aus unserem Verstande hervorgeht, dann aber auch deshalb, weil der Vater sich durch ihn offenbart. [L4]

3 D.h. Es existierte das wahre Licht. [L4]

4 Die Kindschaft Gottes ist eine Wirkung der heiligmachenden oder Rechtfertigungs-Gnade, welche durch das Sakrament der Taufe mitgeteilt wird und bei Erwachsenen, die der Evangelist hier allein im Auge hat, den Glauben an den Namen des Mensch gewordenen Sohnes Gottes als notwendige Bedingung voraussetzt. Zur vollen Entwickelung und Entfaltung kommt aber die Gotteskindschaft erst im anderen Leben, wenn die Seele durch die unmittelbare Anschaung Gottes in noch höherer Weise in seni Bild verklärt (1. Joh. 3, 2) und bei der “Wiedergeburt” am jüngsten Tage mit dem verklärten Leibe wieder vereinigt wird. [L2]

5 D. h. das Wort, der Sohn Gottes, hat eine wahre menschliche Natur angenommen, die aus Leib und Seele besteht. Der Evangelist nennt den geringeren und schwächeren Bestandteil, um die tiefe Herablassung des Wortes hervorzuheben. [L4]

6 D. h. ist größer als ich. [L4]

7 Die Dreieinigkeit Gottes ist zwar in den hl. Büchern des Alten Bundes einige Male dunkel angedeutet, allein erst durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, der auch als Mensch im Schoße des Vaters war und mithin mit seiner menschlichen Seele Gott vo Angesicht zu Angesicht sah, zu voller Erkenntnis gekommen. [L2]

8 Alle die oben mitgeteilten Wahrheiten hat Jesus Christus geoffenbart. [L4]

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