Unbenannt65

 3. Angelus prænuntiat conceptionem Joannis Baptistæ.
(Lc. 1, 5-25.)

5. Fuit in diebus Herodis, regis Judææ, sacerdos quidam nomine Zacharias de vice Abia, et uxor illius de filiabus Aaron, et nomen ejus Elisabeth. 6. Erant autem justi ambo ante Deum, incedentes in omnibus mandatis, et justificationibus Domini sine querela, 7. et non erat illis filius, eo quod esset Elisabeth sterilis, et ambo processissent in diebus suis.

8. Factum es autem, cum sacerdotio fungeretur in ordine vicis suæ ante Deum, 9. secundum consuetudinem sacerdotii sorte exiit, ut incensum poneret, ingressus in templum Domini, 10. et omnis multitudo populi erat orans foris hora incensi.

11. Apparuit autem illi angelus Domini, stans a dextris altaris incensi. 12. Et Zacharias turbatus est videns, et timor irruit super eum. 123. Ait autem ad illum angelus: Ne timeas Zacharia, quoniam exaudita est deprecatio tua; et uxor tua Elisabeth pariet tibi filium, et vocabis nomen ejus Joannem. 14. Et erit gaudium tibi et exsultatio, et multi in nativitate ejus gaudebunt, 15. erit enim magnus coram Domino, et vinum et siceram non bibet, et Spiritu sancto replebitur adhuc ex utero matris suæ; 16. et multos filiorum Israël convertet ad Dominum Deum ipsorum; 17. et ipse præcedet ante illum in spiritu et virtute Eliæ, ut convertat corda patrum in filios, et incredulos ad prudentiam justorum, parare Domino plebem perfectam. 18. Et dixit Zacharias ad angelum: Unde hoc sciam? ego enim sum senex, et uxor mea processit in diebus suis. 19. Et respondens angelus dixit ei: Ego sum Gabriel, qui adsto ante Deum, et missus sum loqui ad te et hæc tibi evangelizare. 20. Et ece eris tacens et non poteris loqui usque in diem, quo hæc fiant, pro eo quod non credidisti verbis meis, quæ implebuntur in tempore suo. 21. Et erat plebs exspectans Zachariam, et mirabantur, quod tardaret ipse in templo. 22. Egressus autem non poterat loqui ad illos, et cognoverunt, quod visionem vidisset in templo. Et ipse erat innens illis, et permansit mutus.

23. Et factum est, ut impleti sunt dies officii ejus, abiit in domum suam. 24. Post hos autem dies concepit Elisabeth uxor ejus, et occultabat se mensibus quinque dicens: 25. Quia sic fecit mihi Dominus in diebus, quibus respexit auferre opprobrium meum inter homines.

1. Die Ankündigung und die Empfängnis des Vorläufers.
(Luk. 1, 5-25.)

Es lebte in den Tagen des Herodes, des Königs von Juda, ein Priester, namens Zacharias, aus der Wochenreihe Abia.1 Sein Weib war eine aus den Töchtern Aarons und hieß Elisabeth. Beide waren gerecht vor Gott und wandelten tadellos in allen Geboten und Satzungen des Herrn. Sie haten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren vorgerückt in ihren Tagen.

Es begab sich abe, als er nach der Ordnung seiner Reihe vor Gott Priesterdienst hatte, wurde er gemäß der Sitte der Priesterschaft durchs Los bestimmt, in das Heilige des Tempels des Herrn einzutreten und das Rauchopfer darzubringen.2 Die ganze Volksmenge stand betend draußen um die Stunde des Rauchopfers.

Da erschien ihm ein Engel des Herrn, zur Rechten des Rauchopferaltares stehen. Zacharias erschrak, als er ihn sah, und fürchtete sich. Der Engel aber sprach zu ihm: “Fürchte dich nicht, Zacharias!3 Dein Gebet ist erhört,4 und Elisabeth, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes nennen.5 Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden über seine Geburt sich freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und Berauschendes wird er nicht trinken, und mit dem Heiligen Geiste wird er schon von Mutterleibe an erfüllt werden, und viele der Söhne Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren. Er selbst aber wird vor ihm hergehen6 in Geist und Kraft des Elias, um die Herzen der Väter den Kindern zuzuwenden und Ungläubige zur Einsicht der Gerechten zu bringen,7 um dem Herrn ein empfängliches Volk zu bereiten.”8 Zacharias sprach zu dem Engel: “Woran soll ich dies erkennen? Ich bin ja alt, und mein Weib ist in den Tagen vorgerückt.” Der Engel antwortete ihm: “Ich bin Gabriel, der vor Gott steht,9 und wurde gesandt, zu dir zu reden und dir diese Botschaft zu bringen. Siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tage, da dieses geschieht, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die zu ihrer Zeit in Erfüllung gehen werden.” Das Volk wartete auf Zacharias, und sie wunderten sich, daß er so lange im Heiligtum verweilte. Als er dann herauskam, konnte er nicht zu ihnen sprechen, und sie erkannten, daß er im Heiligtume eine Erscheinung gehabt hatte. Er selbst winkte ihnen zu und blieb stumm. Als die Tage seines Tempeldienstes zu Ende waren, ging er hinweg nach Hause.

Nach diesen Tagen empfing sein Weib Elisabeth, und sie verbarg sich fünf Monate und sprach: “Also hat mir der Herr in den Tagen getan, da er herniedersah, meine Schmach vor den Menschen wegzunehmen.”10

1 Seit David waren die vielen tausend Priester in vierundzwanzig Geschlechter oder Klassen eingeteilt, welche der Reihe nach, jede eine Woche lang, den heiligen Dienst im Tempel zu versehen hatten. Sechzehn derselben waren Nachkommen des Eleazar, acht Nachkommen des Ithamar, der Söhne Aarons. Die achte Klasse nannte sich nach ihrem Stammvater Abia. (1. Par. 24.) Diese Einteilung bestand noch zur Zeit Christi. (Jos. Flav. Ant. 7, 14, 7.) Zwar waren nur vier Priestergeschlechter aus dem Exil zurückgekehrt, allein auch diese wurden mit Beibehaltung der alten Namen in vierundzwanzig Klassen geteilt. [L2]

2 Der Rauchaltar stand in dem sogenannten “Heiligen” des Tempels in der Mitte zwischen dem goldenen Tische, auf dem die Schaubrote lagen und dem siebenarmigen Leuchter gegen den Vorhang zu, der das Allerheiligste von dem Heiligen trennte. Vor demselben wurden die Rauchopfer dargebracht. Der Ausdruck der Vulgata ingressus templum Domini ist nach dem griechischen Ausdrucke εισελθων εις τον ναον του κυριου zu erklären. ο ναος bezeichnet aber den inneren Teil des Tempels, das Allerheiligste und das Heilige, während το ιερον den ganzen Gebäudekomplex des Heiligtums bezeichnet. Das Volk betete draußen, d. h. in den Vorhöfen, da es das Heilige nicht betreten durfte. [L2]

3 Den Worten: “Fürchte nicht! Fürchtet nicht!” werden wir in den Evangelien noch oft begegnen. Vgl. Luk. 1, 30; 2, 10; 5, 10; 8, 50; Mark. 5, 36; 6, 50; Matth. 4, 27; 17, 7; 28, 5. 10. Sie sind charakteristisch für die messianische Zeit, die Zeit der Sündenvergebung, der Gnade, der göttlichen Kindschaft und des wahren, übernatürlichen Friedens, und sind die Erfüllung der Weissagung des Propheten Sophonias (3, 16): “An jenem Tage” (d. h. in der messianischen Zeit) “wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte nicht, Sion! nicht mögen laß werden deine Hände!” [L2]

4 Was du früher und namentlich soeben bei Darbringung des Rauchopfers so heiß erfleht hast, Gott möchte den Messias bald senden und auch dich an seiner Segensfülle teilnehmen lassen, das wird geschehen und zwar in einer Weise, welche alle deine Erwartungen übertrifft. Denn nicht nur wird der Messias bald kommen, sondern dein eigener Sohn wird sein Vorläufer sein. [L2]

5 Der Name Johannes ist die griechische Form des hebr. “Jehochanan” oder “Jochanan” und bedeutet “Jahve ist gnädig”. Schon dieser Name deutet auf die Heiligung des von Gott geschenkten Kindes hin. Johannes war selbst von Gott begnadigt und hatte die Bestimmung, andere zur Gnade, zu dem Spender der Gnade, zu führen. [L2]

6 “Vor ihm”, also vor dem “Herrn und Gott” Israels wird Johannes hergehen. Er ging aber vor Jesus von Nazareth als Vorläufer her. Also wird Jesus von Nazareth schon hier durch den Mund des Engels als der Herr und Gott Israels bezeugt. Demnach besagen auch die Worte: “Viele der Söhne Israels wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren”: Der Täufer wird viele Israeliten zu Jesus von Nazareth bekehren, bewirken, daß sie seine Jünger werden. [L2]

7 D. h. um zwischen Eltern und Kindern Friede und Eintracht wiederherzustellen, um Ungläubige (im Griech. “Ungehorsame”; der Unglaube ist zugleich Ungehorsam gegen Gott) zur Einsicht der Gerechten zu bringen. [L2]

8 “Ein empfängliches Volk”, d. i. ein Volk, das bereit ist, den Messias, “den Herrn”, aufzunehmen und anzuerkennen. Die Übersetzung: “ein vollkommenes Volk” sagt mehr als in dem griechischen Ausdrucke λαον κατεσκευασμενον enthalten ist und deshalb auch wohl in dem lateinischen: plebem perfectam i. e. dispositione perfectam gesucht werden darf. - Von dem Propheten Elias heißt es (Mal. 4, 5. 6): “Siehe, ich sende euch Elias, den Propheten, bevor der Tag des Herrn kommt, der große und furchtbare, und er wird das Herz der Väter zu den Kindern zurückwenden und das Herz der Kinder zu den Vätern, auf daß ich nicht komme und die Erde mit dem Fluche schlage.” Indem der Engel diese Worte auch von Johannes gebraucht, zeigt er, daß beide Männer denselben Beruf haben: Johannes wird die erste Ankunft Christi, Elias die zweite vorbereiten. [L2]

9 Der Name “Gabriel” bedeutet “Mann Gottes”, “Held Gottes”. Gabriel ist einer der sieben Engel, welche, wir wir aus dem Buche Tobias (12, 15) erfahren, in besonderer Weise vor dem Angesichte Gottes stehen, gleichsam die Thronassistenten Gottes sind und die Aufgabe haben, die Befehle Gottes entgegenzunehmen und auszuführen. Vgl. Dan. 1, 5. Er ist der Evangelist des Himmels, jener Bote Gottes, dem alles, was sich auf das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes bezieht, in besonderer Weise anvertraut ist. Dem Propheten Daniel hatte er einst die siebenzig Jahrwochen gedeutet, d. h. die Zeit angegeben, wann der Messias kommen werde. Jetzt kündigt er die Geburt desjenigen an, der dem Messias die Wege bereiten soll. Bald wird er der Jungfrau die frohe Botschaft bringen, daß sie den Messias gebären werde. [L2]

10 Elisabeth verbarg sich, zog sich noch mehr als sonst von dem Umgange mit den Menschen zurück, um Gott zu danken und sich und ihr Kind durch Gebet Gott zu weihen. Im sechsten Monate wurde diese Verborgenheit durch den Besuch der seligsten Jungfrau aufgehoben. [L2]

[Startseite] [Sitemap] [Neu auf dieser Site] [Vita D. N. Jesu Christi] [1. Praefatio Lucae] [2. Prooemium Evangelii] [3. Angelus praenuntiat] [4. Maria Virgo concipit] [6 Maria Virgo invisit] [Artikel] [Verschiedenes] [Ad personam] [Stefka Michel] [Links] [Kontakt] [Impressum]

© Gunther Maria Michel. Alle Rechte vorbehalten.
Seit dem + 21. Oktober 2006