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1 “Nazareth”, ein Städtchen spätern Ursprungs im alten Stammgebiete Zabulon, in Nieder-Galiläa, sieben Stunden vom Thabor, am Abhange eines steilen Berges erbaut und von baum- und grasreichen Gefilden umgeben. Hier war die Heimat der Gottes-Mutter Maria. [L2]
2 Bei den Juden war die Verlobung schon der wahre, rechtliche Eheabschluß. 5. Mos. 22, 23. 24. Deshalb heißt es Matth. 1, 20 ausdrücklich: “Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen.” Maria war also bereits vor Gott und den Menschen die Gemahlin des hl. Joseph, aber eine jungfräuliche Gemahlin. - Der Sohn Gottes sollte von einer Jungfrau, welche mit einem Manne vermählt war, empfangen und geboren werden, weil nach Gottes Absicht überhaupt jeder Kindersegen nur an die Ehe geknüpft sein soll, und weil er von diesem Gesetze auch da nicht absehen wollte, als es sich um die wunderbare Empfängnis seines eingebornen Sohnes handelte. Von den hl. Vätern werden außerdem folgende Gründe angeführt: 1) Die wunderbare Empfängnis des Heilandes sollte dem Teufel verborgen bleiben; 2) dieselbe sollte auch den Zeitgenossen verborgen bleiben; 39 die Ehre seiner jungfräulichen Mutter sollte gegen die Verleumdungen der Welt geschützt sein; 4) auch gegen ihn selbst sollten seine Feinde keine Angriffswaffe haben; 5) seine Abstammung von David sollte durch den Stammbaum des hl. Joseph erhärtet werden können; 6) Maria sollte in dem hl. Joseph einen Beschützer und Ernährer haben. [L2]
3 Der Zusatz “aus dem Hause David” bezieht sich wahrscheinlich auf die Jungfrau. Vgl. Schanz z. St.; Knabenbauer, Matth. II. 571. Aus dem Hause, der Familie Davids sollte der Messias hervorgehen. Diese Verheißung hatte Gott dem Könige David gegeben (2. Kön. 7, 12-16 und 23, 1-5) und in den folgenden Jahrhunderten durch den Mund der Propheten oft wiederholt (Jer. 23, 5. 6; 30, 9; 33, 20, 21; Ezech 34, 23). Dieselbe war so bekannt, daß die Pharisäer auf die Frage des Heilandes: “Was dünkt euch von dem Messias? wessen Sohn ist er?” sofort zur Antwort gaben: “Davids.” Matth. 22, 42. [L2]
4 Die Worte des Engels besagen deutlich, daß das verheißene Kind eben jener Emmanuel ist, von dem der Prophet Isaias (9, 6. 7) gesagt hat: “Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben. Die Herrschaft ist auf seine Schultern gelegt, und sein Name wird genannt werden: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst. Gemehrt wird seine Herrschaft, und des Friedens wird kein Ende sein. Auf Davids Throne und über dessen Reich wird er herrschen, daß er es befestige und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dieses vollbringen.” Der Thron Davids und seine Herrschaft über das Haus Jakob, über das Haus Israel, waren nicht nur das Vorbild des Thrones und der Herrschaft Jesu Christi, sondern sein Reich, die katholische Kirche, ist auch aus Israel hevorgegangen. Denn die Apostel und ersten Jünger waren Israeliten und bildeten mit den zum Christentum bekehrten heidnischen Völkern, welche in das Erbe eintraten, das die ungläubigen Juden verschmähten, das neue Israel. Das Reich Jesu Chisti auf Erden, die katholische Kirche, wird bestehen bis ans Ende der Welt. Seine Herrschaft aber über das ganze Weltall wird durch die ganze Ewigkeit dauern. “Und der (de Alte an Tagen) gab demselben Macht und Herrlichkeit und Königtum, und alle Völker, Stämme und Zungen sollen ihm dienen; seine Macht ist ewige Macht, die nicht genommen wird, gleichwie sein Königtum, das nie zu Grunde geht.” Dan. 7, 14. Vgl. 2, 14; 7, 18, 27; 2. Kön. 23, 3-6. [L2]
5 Maria war die Gemahlin des hl. Joseph. Dennoch sagt sie: “Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?” Sie hatte also - das geht aus diesen Worten klar hervor - die Ehe unter der ausdrücklichen Bedingung beständiger Jungfräulichkeit geschlossen. Die Ehe aber hatte sie eingegangen aus Gehorsam gegen das Gesetz, weil sie als “Erbtochter” (4. Mos. 27, 8; 36, 6-9) verpflichtet war, mit ihrer Hand zugleich ihr Besitztum dem nächsten Verwandten zu übergeben. Vgl. Grimm, Die Einheit der vier Evangelien, S. 728. [L2]
6 Der bildliche Ausdruck: “Die Kraft des Allerhöchsten” (d. i. der heilige Geist) “wird dich überschatten” ist von der Tatsache hergenommen, daß die sogenannte Gnadenwolke, die Herrlichkeit des Herrn (Schechinah), den Gnadenthron über der Bundeslade überschattete. 2. Mos 40, 32; 4. Mos. 9, 15; 3. Kön. 8, 10. Die “Herrlichkeit des Herrn” war ja ein Sinnbild des heiligen Geistes (1. Kön. 10, 1. 2) und die Bundeslade ein Vorbild der seligsten Jungfrau, welche den Gesetzgeber selbst in ihrem reinsten Schoße empfangen und tragen sollte. [L2]
7 Weshalb folgt aus der einen Tatsache, daß Maria durch Überschattung des heiligen Geistes, der Kraft des Allerhöchsten, empfangen soll, zugleich mit unfehlbarer Gewißheit die andere, daß ihr Kind “der Sohn Gottes” und wahrer Gott sein soll? Weil Gott mit der Verheißung, eine Jungfrau werde durch Gottes Allmacht empfangen, zugleich die Verheißung gegeben hatte, ihr Kind werde der “Emmanuel”, Gott mit uns, sein und weil dieser Emmanuel bei demselben Propheten mit klaren und bestimmten Worten als wahrer Gott bezeugt wird. “Siehe, die Jungfrau wird empfangen und wird einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen, d. h. Gott mit uns.” Isaias 7, 14. - “Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seine Schultern gelegt, und sein Name wird genannt werden Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Vater der Zukunft, Friedensfürst.” Is. 9, 6. [L2]
8 Elisabeth war aus dem Geschlechte Aarons (Luk. 1, 5); Maria aus dem Stamme Juda und dem Hause David. Wie konnte also Elisabeth ihre Verwandte sein? Wahrscheinlich hatte Elisabeths Vater oder Großvater, ein Priester aus dem Geschlechte Aarons, eine Jungfrau aus dem Stamme Juda und dem Hause David zur Ehe genommen, so daß sie also von mütterlicher Seite dem Hause David angehörte. Vgl. Maldonat zu Matth. 1, 16. [L2]
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