Unbenannt65

6. Maria Virgo invisit Elisabeth.
(Lc. 1, 39-56.)

39. Exsurgens autem Maria in diebus illis abiit in montana cum festinatione in civitatem Juda. 40. Et intravit in domum Zachariæ, et salutavit Elisabeth.

41. Et factum est, ut audivit salutationem Mariæ Elisabeth, exsultavit infans in utero ejus, et repleta est Spiritu sancto Elisabeth, 42. et exclamavit voce magna et dixit: Benedicta tu inter mulieres, et benedictus fructus ventris tui. 43. Et unde hoc mihi, ut veniat mater Domini mei ad me? 44. Ecce enim, ut facta est vox salutationis tuæ in auribus meis, exsultavit in gaudio infans in utero meo. 45. Et beata, quæ credidisti, quoniam perficientur ea, quæ dicta sunt tibi a Domino.

46. Et ait Maria: Magnificat anima mea Dominum, 47. et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo, 48. quia respexit humilitatem ancillæ suæ. Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes, 49. quia fecit mihi magna, qui potens est, et sanctum nomen ejus, 50. et misericordia ejus a progenie in progenies timentibus eum. 51. Fecit potentiam in brachio suo, dispersit superbos mente cordis sui. 52. Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles. 53. Esurientes implevit bonis, et divites dimisit inanes. 54. Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiæ sueæ, 55. sicut locutus est ad patres nostros, Abraham et semini ejus in sæcula.

56. Mansit autem Maria cum illa quasi mensibus tribus, et reversa est in domum suam.

4. Die Jungfrau bei Elisabeth.
(Luk. 1, 39-56.)

Maria machte sich in jenen Tagen auf und ging eilends in das Gebirge in eine Stadt von Juda. Sie trat in das Haus des Zacharias ein und grüßte Elisabeth.

Sobald Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind freudig auf in ihrem Schoße. Elisabeth ward mit dem heiligen Geiste erfüllt und rief mit lauter Stimme: “Gebenedeit bist du unter den Weibern,1 und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Woher wird mir das zu teil, dasß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, sobald die Stimme deines Grußes an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind freudig auf in meinem Schoße. Selig bist du, die du geglaubt hast, es werde in Erfüllung gehen, was dir vom Herrn gesagt worden ist.”2

Maria sprach: “Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heilande! Denn er hat gesehen auf die Niedrigkeit seiner Magd. Siehe, von nun an werden alle Geschlechter mich selig preisen! Denn Großes hat an mir getan,3 der da mächtig ist; und heilig ist sein Name. Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht für die, welche ihn fürchten. Er übt Macht mit seinem Arme und zerstreut, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. Gewaltige stürzt er vom Throne, Niedrige erhöht er. Hungernde erfüllt er mit Gütern, Reiche läßt er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels, seines Knechtes, an, um eingedenk zu sein seiner Barmherzigkeit dem Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit, wie er zu unsern Vätern gesprochen hat.”

Maria blieb gegen drei Monate bei ihr; dann kehrte sie zurück in ihr Haus.

1 Du bist mehr gesegnet als alle anderen Weiber; der Segen der anderen kommt deinem Segen gegenüber kaum in Betracht. [L2]

2 In dem Texte der Vulgata: beata, quæ credidisti, quoniam perficientur ea, quæ dicta sunt tibi a Domino, ist quoniam .... Objekt zu credidisti, wie im griechischen Texte οτι εσται τελειωσις als Objekt zu πιστευσασα aufzufassen ist. Vgl. Schanz und Knabenbauer z. St. [L2]

3 Das Große, welches an Maria getan, ist die Erfüllung der Weissagungen: “Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen, d. h. Gott mit uns.” Is. 7, 14. - “Der Herr schafft Neues auf Erden: Ein weib wird einen Mann umschließen.” Jer. 31, 22. [L2]

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