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Hl. Klemens von Ochrida (um 840 - 27.7.916)
Belehrung über den Heimgang der Gottesgebärerin
Brüder! Heute ist die Mutter unseres Herrn aus diesem Leben heimgegangen und zieht ins Reich der Höhe und in die ewige Heimat ein, in Freude und in unaussprechliches Frohlocken, wohin die Engel sich zu neigen wünschen. Heute geht die Enkelin und Herrin des Stammvaters Adam in die ewigen Wohnstätten ein. Heute wird der Fluch der Stammutter gelöst, der auf der menschlichen Natur liegt. Heute schämen sich die gotteslästerlichen Juden vor der Herrscherin Gottesgebärerin, die in den Himmel eingegangen ist. Wie die Sonne erleuchtet sie durch ihr barmherziges Gebet die Welt, mit Ruhm und Ehre bekränzt sie die Rechtgläubigen, die sie in Wahrheit als Gottesmutter bekennen. Denn sie hat sich gezeigt als Helferin der Beleidigten, als Beistand der Trauernden, als Trost der Betrübten, als Lobpreis der Apostel, als Stärke der Märtyrer, als unverweslicher Kranz der Heiligen.
Sie, die heilige Herrin Gottesmutter, und ihre Kirche laßt uns, Brüder! aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele verehren und ihr Fest mit Lobpreis und Freude ehrenvoll begehen: indem wir die Fremden und Armen in unser Haus aufnehmen, Frieden und Liebe untereinander halten, unsere Leiber und Seelen von Sünden reinigen und so zum hochreinen Leib Gottes herantreten: ehrwürdig und verehrungswürdig und durch gute Werke vollkommen - und nicht wie Judas, der von Bosheit und Habgier geblendet zum heiligen und furchtbaren Gottesmahl hinzutrat; weil er durch seine Bosheit dieses Geheimnisses unwürdig war, fuhr sogleich der Satan in ihn, und statt Segen erwarb er sich Fluch.
Wir aber, Brüder, wollen nicht solche sein, sondern wollen Gott lieben, indem wir die Diener Gottes ehren. Durch ihre Hände nämlich nehmen wir Gottes Gnade und die Taufe an, von ihnen empfangen wir den heiligen Leib, durch ihre Gebete werden wir von den Sünden losgesprochen. Sie beten unaufhörlich zu Gott für die Christen und die ganze Welt. Durch ihre Gebete kommt der Heilige Geist von Gott auf die dargebrachte heilige Hostie herab und wandelt sie in Gottes Leib und den Wein in Christi heiliges Blut, denen, die davon essen und trinken, zur Vergebung der Sünden. Also ist es recht, die Diener Gottes zu ehren: denn sie sind anstelle von Engeln bestellte Fürbitter auf Erden, die über unsere Seelen wachen, weil sie Rechenschaft über unsere Seelen ablegen werden vor Jesus Christus, unserem Herrn.
Nach der altrussischen Abschrift Nr. AI 264/2 GPB-Leningrad [Petersburg], 14. Jh., aus dem Altbulgarischen übersetzt von Gunther Maria Michel
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